Eine Frage des (Salsa)Tanzstiles…

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Ja, welchen Salsa Tanzstil soll ich denn lernen? Womit fängt man am besten an? Diese Fragen sind für einge Menschen von großer Bedeutung, denn sie möchten sich gerne orientieren und sind unsicher, wie sie starten sollen. Wäre es nicht einfacher, Salsa wäre eben nur “Salsa” und man müsste nicht noch über Tanzstile diskutieren? Manche Tanzlehrer blenden diese Frage am Anfang einfach aus. Sie unterrichten Grundschritte, einfache Drehungen und versuchen die Schüler taktsicher zu machen. Viele wissen am Anfang gar nicht, dass es unterschiedliche Stile gibt. Somit erübrigt sich zunächst eine Diskussion. Doch was, wenn dann mal die Frage nach dem Stil kommt? Nun, wie sagt man so schön? “Schlafende Hunde soll man nicht wecken”. Und ein wenig Wahrheit steckt da sicher dahinter. Denn geht es doch am Anfang erstmal darum, überhaupt “reinzukommen”. Schwierig genug ist es doch mit den Schritten und dem oft schwer zu hörenden (und zu fühlenden) Takt klar zu kommen. Wieso sollte man sich da schon mit Stilfragen herumplagen?

Kubanischer Tanzstil

Für einige ist das DER eigentliche Tanzstil, den man zu Salsa tanzen sollte. Man ist der Meinung, dass Salsa ja aus Kuba stamme und man somit absolut richtig liegen würde. Leider stimmt das nicht ganz, denn zu Musikstücken, die (auch) heutzutage so auf Salsa Parties und Events (auf der ganzen Welt) gespielt werden, wird in ganz Lateinamerika, Mittelamerika, bestimmten Regionen und Städten Nordamerikas und schließlich den anderen Kontinenten (meist durch Export und Emigranten) getanzt. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es nicht ein einziges Land ist, dass Salsa seinen Stempel aufgedrückt hat. Hierzu möchte ich an der Stelle nicht weiter ausführen und nur ein Link anbieten, wo man sich über die Geschichte des Salsatanzes und der Musik informieren kann: Wikipedia

Doch zurück zum kubanischen Tanzstil: Er ist gekennzeichnet durch geschmeidige Körperbewegungen, viel Akzentuierungen und Variationen in den Schritten. Oft wird mit einem teilbelasteten Zwischenschritt (Tepp oder Step) getanzt, der dem Ganzen einen unheimlichen Drive geben kann. Das Tanzpaar ist wie ein Zweiplanetensystem, das kontinuierlich um einander dreht und jeder wiederum in sich selber. Hier ein Tanzvideo von einem Meister der kubanischen Salsa→ Yanek Revilla:

Führwahr eine Show, die aber deutlich das Feuer und die Bewegungsvielfalt dieses Tanzstiles demonstriert. Um dort hinzukommen bedarf es vieler Jahre des Übens und selbst dann fällt es oft nicht-Kubanern schwer, die Leichtigkeit und den Abwechslungsreichtum an Bewegungen zu vertanzen. Es soll Euch nicht abhalten, auch in die kubanische Salsa einzusteigen, doch diese Stilrichtung ist schon eine der bedeutenden unter den Großen (darauf komme ich später) und international auf allen Festivals vertreten.

Ist kubanischer Tanzstil leicht zu erlernen? Da dieser Tanzstil recht ursprünglich ist und primär nicht hohe Ansprüche an bestimmte Körperhaltungen stellt, fällt es z.B. meinen Schülern meist leichter, in ein abwechslungsreiches Figurenrepertoire einzusteigen. Beginnend beim Grundschritt Mambo oder den sogenannten Rückschritten, wird schon gleich losgelegt und das Tanzpaar dreht sich dabei leicht im Kreis. Die Orientierung wechselt dadurch und es erscheint einem nicht so stereotyp, als wenn man am Platz bliebe und ständig nur einen Mambogrundschritt tanzt. Schon bald geht es mit Enchufes weiter und diese werden dann abwechselnd getanzt, so dass der Eindruck einer “Windmühle” entsteht. Alle Tanzelemente hier aufzuführen würde zu weit führen. Es sei nur soviel gesagt, das Schritte und Figurenpotential des kubanischen Tanzstils sind unendlich. Da man an keine feste Richtung gebunden ist, fällt es dem Anfänger meist leichter und er ist nicht frustriert, wenn er bei einer Figur nicht “richtig herauskommt” (so wie beim Linestyle, siehe unten). Es hängt jedoch auch sehr stark von den persönlichen Fähigkeiten des Tänzers ab. Lernt man schnell, so hat man das “System” schnell durchschaut und es fällt leicht in großen Sprüngen weiteres zu lernen. Ist man aber etwas langsamer, so ist der kubanische Tanzstil sicher einge gute Wahl.

Muss man kubanisch mit Tepp oder ohne tanzen? Selbst die Kubaner machen es nicht einheitlich. Die eingen können ohne den Tepp nicht leben, andere machen ihn, wann sie es für gut erachten. Eine klare Regel gibt es da nicht. Doch wer mag schon mit zu vielen Regeln tanzen, hält es einem hin und wieder doch vom freien und unbeschwerten Tanzen ab.

Muss man “kubanisch” immer auf kubanischer Musik tanzen ? Sicher gibt es eine Unmenge an kubanischer Musik, die einen geradezu dazu “zwingen” kubanisch darauf zu tanzen. Doch auch viele Musikstücke aus Venezuela, Mexiko, Peru… verleiten oder bessert gesagt, ermöglichen es einem, seinen Tanzstil anzuwenden. Doch so manches “Old School” Salsa Stück aus New York ist vielleicht doch nicht dazu angeraten, darauf kubanisch zu tanzen. Letztlich ist es eine Geschmackssache des/der Tänzer.

Tanzen auf der Linie – New York Style, Los Angeles Style, Puerto Rican Style

Nun kommen wir zu einem Tanzstil, um den es viel Verwirrung auf der Welt gibt. Gerade bei Anfängern ist die Konfusion sehr gross. Oft wird da nur von New York Style (N.Y. Style) gesprochen, obwohl auf dem 1. Taktschlag begonnen wird. Klassisch wird N.Y. Style “on2″ getanzt, das heisst, die Tänzer setzen ihren ersten Schritt auf dem 2. Viertelschlag des ersten Taktes. Hingegen wird beim Los Angeles Style (L.A. Style) auf der “1″ begonnen. Schließlich wird noch unterschieden in den Palladium Style und dem Eddie Torres Style “on2″.

Letztlich allen gemein ist, dass die Tänzer auf einer mehr oder weniger festgelegten Linie ihre Figuren tanzen. Zentrales Element ist der “Cross Body Lead”, der im kubanischen Style aber seine Entsprechung finde: “Dile que no”.  Im Cross Body Lead können dann als Steigerung gelaufene Rechts- und Linksdrehungen von der Frau getanzt werden, die dann schlechthin als “Cross Body Turns” bezeichnet werden. Die Copa, oder auch Peek-a-Boo genannt, ist ein Element, dass einst aus dem Hustle stammte, und den Cross Body Style (so wird er auch von vielen genannt) um weitere Figurenkombinationen bereicherte. Tanzelemente aus dem Cha Cha Cha, der Rumba und anderen – heutzutage wird Hip Hop, Jazz Dance und mehr eingebaut – sind im Cross Body Style reich vertreten und erschweren es auch dem ungeübten Zuschauer, klare Abrenzungen vornehmen zu können.  Eins ist jedoch offensichtlich – das Tanzpaar behält seine einmal gewählte Tanzrichtung bei und versucht entlang dieser, auf der Musik seine Figuren und Improvisatonen zu tanzen.

Und somit kommen wir noch zu einem wichtigen Teil des Cross Body Style, den Shines. Diese sind kleine Footwork Elemente, die von Mann und Frau gleichermaßen getanzt werden können. Entweder bietet der Herr der Dame einen Rahmen (meist hält er beide ihrer Hände fest), oder beide Tanzpartner sind frei (ohne Tanzhaltung). Je nach Lust und Laune, werden dann quasi kleine Choreographien getanzt. Zuweilen schaut es tatsächlich wie eine Show aus (besonders bei Anfängern), doch je geübter die Tänzer sind und länger beim Salsa dabei, um so natürlicher sehen diese “Spielchen” auch aus und für den Zuschauer am Tanflächenrand bietet sich ein beobachtungswertes Szenario.

Hier ein Beispiel für eine einfache Kombianation im Cross Body Style:

Weitere Videos gibt es auf meiner Salsa Tanzlehrer Seite.

Bei dieser Figur wurde bei der Erstellung des Videos nicht viel Wert auf Ausdruck und Virtuosität gelegt, sondern die Schritte und Führung sollten klar und deutlich erkennbar sein. Zu beobachten ist die klare Orientierung des Tanzpaares parallel zur rückwärtigen Wand. An den Endpunkten wird bzw. werden Einfach bzw. Mehrfachdrehungen getanzt. Sowohl Mann als auch Frau sind dabei aktiv. Weiterhin können an den Endpunkten Copas, Checks und Stops getanzt werden – die Elementvielfalt ist auch hier quasi unermesslich.

Je nachdem, wie sehr der führende Tanzpartner (es gibt nicht nur “gegen”geschlechtliche Tanzpaare auf der Welt) auch Drehungen und Verzierungen tanzen mag, so kommt es zur totalen Konzentration auf den geführten Partner, der viele Drehungen und Elemente tanzt und der führende eher als “graue Eminenz” im Hintergrund fungiert und “nur” führt. Die Spielweite ist hier wie bei allem menschlichen Verhalten sehr weit. Zuweilen kommt es auch zur Selbstdarstellung des Führenden (auch im kubanischen Style durchaus zu sehen) und der Partner ist nur “Statist”. Egal…viele Rollen sind, wie eben gesagt, vorstellbar.

Ist der Line Style – Cross Body Style – leicht zu erlernen? Der Mambogrundschritt ist sicher ebenso leicht zu erlernen wie beim kubanischen Tanzstil und ebenso die einfache Rechtsdrehung (meist als Unterarmrechtsdrehung ausgeführt). Der Cross Body lead ist auch nicht sonderlich schwer, doch bei den Cross Body Turns und der Copa fängt der tänzerishe Anspruch an zu wachsen. Hier tun sich Anfänger meist doch noch recht schwer anstellen und Frustration ist vorprogrammiert. Was jedoch oftmals hilft, ist die klare Orientierung im Raum. Einmal die Linie auf der Tanzfläche ausgewählt, weiss man immer, wo man sich befindet.

Mehrfachdrehungen am Platz sind auch nicht leicht und erfordern eine gute Technik. Und je schneller die Tanzmusik ist, um so mehr wird der/die Tänzer/in gefordert.

Kann man Cross Body Style auch auf kubanischer Musik tanzen? Warum nicht? Die Frage ist nur, ob es sich dabei um ein sehr akzentuiertes und vielleicht “hartes” Lied handelt. Der Cross Body Style, besonders wenn er off-beat – on2 – getanzt wird, mag es doch gleichmäßiger. Zuweilen ist im Kubanischen auch die Taktgeschwindigkeit (allgemein meist 160 bis 240 Viertel pro Minute) erhöht und die Tanzpaare wirken gehetzt und unkontrolliert. Auch wenn es mittlerweile viele Showtanzpaare gibt, die sich extra schnelle Stücke aussuchen, so bleibt beim Beobachter offen, ob ihm das dann auch gefällt.

Fazit

Es gibt im Salsa viele Tanzstile und alle haben ihre Eigenarten und sind mehr oder minder leicht zu erlernen. Jeder Tänzer muss für sich selber schauen, was ihm gefällt. Oft sind es Beobachtungen auf Tanzparties oder Videos bei Videoplattformen wie YouTube, die darüber entscheiden, zu welchem Style man sich mehr hingezogen fühlt. Ein Kubaurlaub ist bei vielen auch ausschlaggebend für die Wahl des Salsa Tanzstiles.

Meine persönliche Einschätzung und Erfahrung ist jedoch, dass man mit dem kubanischen Tanzstil bei Anfängern, jedoch ohne den Tepp zu tanzen, zu schnelleren und freudigeren Tanzergebnissen kommt, als wenn man schon von der ersten Tanzstunde an mit gerichteten und mehr kontrollierteren Bewegungen anfängt.

Postet doch hier Eure Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema. In diesem Artikel ist sicher nicht alles abgedeckt worden…


3 Responses to “Eine Frage des (Salsa)Tanzstiles…”

  • derhenry Says:

    Schöne Seite und ein guter Beitrag, der mein aktuelles Problem in den ersten Sätzen gut beschreibt. Ich habe irgendwann mal in der Tanzschule neben Chacha, Rumba & Co. auch etwas Salsa gelernt, aber keine Ahnung, um welchen Stil es sich handelte, da mit gar nicht bewusst war, das es derer mehrere gibt. Auf jeden Fall war es auf der Linie und mit CBL-Elementen.

    Nun möchte ich wieder starten und frage mich natürlich, wo ich was lernen soll. Wenn wir das kubanische mal raus lassen (estilo cubano), dann bleiben aber doch noch LA, NY und so, oder? Sind die beide auf Linie und unterscheiden sich durch den Start-Takt?

    Alles in allem wird das Lernen aber sicher nicht dafür sorgen, dass man unwiderruflich festgelegt ist, oder? Soooo groß sind die Unterschiede nicht, oder?

    Grüße

  • Christian Says:

    Hallo Werner, da gebe ich dir teilweise Recht. Wenn eine Dame einen Tanzstil sehr verinnerlicht hat, dann ist es schwierig, einen anderen Tanzstil mit ihr zu tanzen.
    Umgekehrt hatte ich mal versucht mit einer N.Y. – Dame auf kubanisch zu tanzen, und die tanzte ständig “Paper Clips”, statt einen Enchufe :-p

  • Werner Says:

    Ich hab vor 10 Jahren cuabanisch angefangen und tanz jetzt LA. Ich denke du hast es gut herausgearbeitet, bei Cuban macht der Mann die Show, bei LA (normalerweise) die Frau. Eine Feststellung mach ich aber immer wieder. Eine Frau die nur Cuban tanzt, mit der funzt LA nicht. Warum? Sie läuft die Drehung in einem Kreis. Eine LA/NY/PR dreht jedoch auf dem Punkt. Tanz mal in München, Karlsruhe und führ nur ne Einfachdrehung, die Dame meckert bald. Wenn die Dame die Drehung im Kreis läuft, funzt LA nie.

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